Atemnot bei einer Katze – richtiges Aufarbeiten kann Leben retten!

Unser Sonntagsfall von Freitag 😉.

Diese Katze ist bekannte Katzenschnupfenpatientin mit chronischem, eitrigen Nasenausfluss – mal besser, mal schlechter. Die Besitzerin meldete sich am Freitag morgen, dass die Katze wieder Atemnot hätte und ob sie vorbeikommen könne. Weil ich beide gute kenne und weiß, dass die Besitzerin nicht übertreibt, habe ich sie als Notfall kommen lassen.
Wie erwartet war die Nase der Katze hochgradig verschleimt und verstopft. Immmer wieder zeigte die Katze Maulatmung und hatte eine deutlich sichtbare inspiratorische und exspiratorische Dyspnoe mit einem hörbaren Atemgeräusch.

Beim Öffnen des Maules blieb das Atemgeräusch erhalten und verstummte nicht – > logischerweise muss die Atemnot im Kehlkopf begründet liegen und eine Endoskopie wurde empfohlen.

Wie ging es weiter ?

In Narkose war der der Kehlkopf jedoch komplett frei und die Stimmritze sogar maximal weitgestellt. Das passt nicht zusammen. Wenn ein Atemproblem aus dem Kehlkopf kommt, ist dieser entweder kollabiert oder verlegt.
Das Atemgeräusch war immer noch zu hören.
Also ging es weiter mit einer Bronchoskopie.
Die Luftröhre war frei. Jedoch kurz vor dem Lungeneingang tauchten wir in ein eitriges Sekret ein, das wir nicht entfernen oder näher beurteilen konnten.
Das Endoskop haben wir  deshalb wieder entfernt und sind zum Röntgen gegangen. Das sind die entstandenen Röntgenbilder
Man sieht sehr gut die Masse in der Trachea vor der Bifurktion liegen.

Das könnte ein Tumor sein – es könnte aber auch nur eitriges Sekret sein.

Grün = Luftröhre
Gelb = Speiseröhre
Rot = Masse in der Luftröhre

 

 

Um hier Klarheit zu bekommen sind wir zu unserem HD-DVT-CT speziell für Tiere, sozusagen dem Thermomix unter den CT´s gegangen.
Das hat nämlich aufgrund seiner Bauart und Funktionsweise eine eingebaute Fluoroskopiemöglichkeit. Eine Fluoroskopie ist ein “Röntgenfilm”. Man kann wie mit einer Kamera den Körper durchleuchten und unter dem “Röntgenlicht” sehen, was im Körper gerade stattfindet.

Unter dieser Durchleuchtung habe ich eine Sonde in die Trachea eingeführt und das komplette Sekret auf 3 Sitzungen abgesaugt bekommen.
Die Sonde kann man, glaube ich, auch als Laie sehr gut erkennen.

Man sieht auch sehr gut, dass sich der graue Fleck (=Eiter) mit der Sonde bewegt und die Luftröhre wieder mit Luft gefüllt ist (=hell).
Es war richtig zäher, sehr pappiger, grüner Eiter mit Kokken und Stäbchen (=Bakterien).
Die Katze wurde munter wieder entlassen, die BU steht aus.

Take home message für Sie als Kunden:

Tiermedizin geht nicht nach Kochbuch und nicht im Internet.
Bei Atemnot mit Geräusch muss man dranbleiben, bis man die Ursache gefunden hat.

Worum bin ich froh?
Es war gut, die Katze nicht sofort zu intubieren, sondern initial ohne Tubus gearbeitet zu haben. Eigentlich ein kleiner Regelverstoß bei Atemnotspatienten.
Der Tubus wäre in diesem Fall vom Eiter blockiert worden und der Pfropf beim Beatmen womöglich in die Lunge gedrückt worden.
Die Katze wäre verstorben.