Investoren in der Tiermedizin – Der Knochen hat eine Wahl

 
 
Tiermedizin im Wandel – oder der Knochen hat eine Wahl!
 
Liebe Tierbesitzer, wie so oft in den letzten Jahren erreichen Schreiben wie dieses viele Inhaber mittlerer und größerer Tierarztpraxen in Deutschland.
Ich möchte Ihnen dieses Schreiben allerwärmstens zur Lektüre ans Herz legen.
Es beschreibt nämlich den klaren, kühlen Blick der Finanzinvestoren auf Sie, die Tierbesitzer, Ihre hohe emotionale Bindung zu Ihrem Liebling und die damit einhergehenden Umsätze und Umsatzhoffnungen.

Gleichzeitig werden an den Haaren herbeigezogene Szenarien skizziert – einzig und allein um:
 
„Den Knochen zu bekommen“
 
Und der Knochen, meine lieben Tierbesitzer – das sind nicht die Tierärzte – das sind SIE und Ihr Geldbeutel.
Als Tierarzt mit Leib und Seele, stellt es mir jedes Mal erneut die Haare auf, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Finanzinvestoren uns Tierärzten weis machen wollen, dass es das Beste wäre, die Praxis an einen Finanzinvestor zu verkaufen – um „Vermögen hinter eine Brandmauer“ (Zitat aus dem Schreiben) zu bringen.
 
Es geht den Anfragenden einzig und allein um den Zugang zu einem als lukrativ erachteten Markt, der weitgehend nicht strukturiert ist und in dem sich allein durch Konsolidierungsmaßnahmen bereits im ersten Schritt extrem hohe Gewinne realisieren lassen.
Der zweite Schritt wird die Glättung und Optimierung der Prozesse in den eingesammelten Praxen und Kliniken.
Das heisst, es wird Vorgaben an das Personal geben, welche Maßnahmen ( = Untersuchungen) immer und bei welchem Erkrankungsbild besonders gemacht werden müssen, also „notwendig“ sind.
Die sodann vorgegebene „Notwendigkeit“ bemisst sich dabei aber nicht zwingend nach medizinischen Maßgaben, sondern meist vielmehr nach betriebswirtschaftlichen Vorgaben der leitenden BWLer:
Einfach nach dem Motto:
„Alles was Kohle bringt, wird als notwendig erachtet“ und dafür in ein medizinisch notwendiges Mäntelchen gehüllt!
Wenn es hilfreich ist, schließt man dafür auch einen Korporativvertrag mit einem etablierten Verband und besetzt in den nächsten Jahren die notwendigen Posten in den entscheidenden Gremien. Diese Gremien wiederum erstellen sodann sog. Standards oder „Leitlinien“.
Fertig ist das „Mäntelchen“
 
Was geht verloren?
Natürlich das Vertrauen der Tierbesitzer in den Tierarzt!
 
Ein Beispiel:
Wissen Sie ob bei einer Kreuzbandruptur Ihres Hundes ein MRT wirklich notwendig ist? Ja? Nein?
Sie können nur hoffen, dass Ihr Tierarzt medizinische Gründe hat, wenn er Ihnen eines empfiehlt und nicht Vorgaben von seiner Klinikleitung, dass er mindestens x MRT im Monat liefern muss, und ihm noch eines fehlt – wissen können Sie es nicht!
Sie können nicht mal vergleichen, wenn alle Kliniken in Ihrem Umkreis einem einzigen Investor gehören 😉
Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass Medizin egal ob Human-, Zahn- oder meine Tiermedizin nicht dem Diktat der Betriebswirtschaft unterworfen werden darf.
 
Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch!
Tierärzte und TFA arbeiten nicht umsonst. Sie verdienen ihr Geld mit ihrem Beruf. ABER:
Noch immer arbeiten Tierärzte nach dem Studium für ein Bruttogehalt von 2.600 € und TFA bekommen im 1. Berufsjahr ca. 1.800.- €
Tierärzte und TFA sind Berufsgruppen, deren Gehälter dringendst nach oben angepasst gehören. Dafür kämpfe ich innerhalb des Berufsstandes sehr engagiert.
In meinen Augen ist ist es verwerflich, wenn Finanzinvestoren die Emotionen und Gefühle der Tierhalter benutzen, nur um die Renditegier der Anteilseigner zu befriedigen.
Tierärzte und TFA übernehmen während der Behandlung persönliche Verantwortung für Ihr Tier. Sie stehen oft genug Tag und Nacht, in ihren Mittagspausen und ihrer Freizeit bereit, um Ihnen und Ihrem hilflosen Liebling zur Seite zu stehen. Sie machen viele Überstunden und sind mit voller Leidenschaft zum Wohl der Tiere in ihrer Arbeit.
Und genau diese Leidenschaft und Arbeit gehört besser entlohnt!
 
Einen Finanzinvestor, der einen „Nine-to-Five“-Job hat, interessiert das alles nicht.
Ihn interessiert nur, dass sein frisch gewaschener Porsche vor seinem Haus auf den Bahamas stets voll getankt ist und das muss ja schließlich irgendwer bezahlen.
 
Das heisst – das Geld muss aus Ihrem Geldbeutel in seinen wandern.
 
Seit einigen Jahren sammeln sich aber engagierte Kollegen, denen es angesichts dieses laufenden Prozesses genauso geht wie mir in der unserem Verein:
„Gesellschaft für freie Tiermedizin“.
Als noch junger, gerade erst eingetragener Verein sammeln wir noch Kollegen, klären Besitzer über diesen im Stillen ablaufenden Prozess auf und sind dabei, eine klare Gegenposition innerhalb und außerhalb unseres Berufsstandes zu etablieren.
Und um Ihnen eine Wahlmöglichkeit zu geben!
Sie bestimmen die Zukunft der Tiermedizin mit den Füßen.
Der Knochen hat eine WAHL!
Herzliche Grüße
Dr. Klaus Sommer
Fachtierarzt für Kleintiere

1.Vorsitzender der Gesellschaft für Freie Tiermedizin e.V

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