Grannen beim Hund sind im Sommer eines der häufigsten Notfallprobleme in unserer Praxis. Die kleinen Grassamen bohren sich in Pfote, Ohr, Auge oder Nase – und wandern von dort tief ins Gewebe. Hier erfahren Sie, woran Sie eine Granne erkennen, wie wir sie finden und warum Abwarten der schlechteste Weg ist.
Die Ursache: ein Samen, der nur eine Richtung kennt
Grannen sind die borstigen Fortsätze der Ähren verschiedener Gräser – die „Klassiker“ bei uns sind Mäusegerste, Trespen und Wildhafer. Ab Juni, wenn die Gräser abreifen und trocken werden, lösen sich die Ährchen bei der kleinsten Berührung.
Entscheidend ist ihre Bauweise: Eine Granne ist spindelförmig und trägt nach hinten gerichtete Widerhaken. Sie kann sich dadurch nur in eine Richtung bewegen – nach vorn. Jede Bewegung des Hundes, jede Muskelkontraktion, jeder Schritt schiebt sie ein Stück weiter ins Gewebe. Ein Herausrutschen ist mechanisch praktisch unmöglich.
Genau das macht die Granne zu einem sogenannten wandernden Fremdkörper: Grannen bleiben nicht dort, wo sie eingedrungen sind. Sie wandern durchs Gewebe, tragen Bakterien mit sich und verursachen anhaltende Entzündungsreaktionen – bis hin zum Abszess oder zur Fistel.
Besonders betroffen sind langhaarige Hunde und Rassen mit dichtem Fell zwischen den Zehen, weil sich die Grannen dort regelrecht verfangen.
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